Waren hat ein Problem

Am Samstag, den 01. Oktober 2016, fand in Waren (Müritz) ein Neonaziaufmarsch unter dem Motto „Heimat und Tradition bewahren“ statt. Es war die zweite rechte Demonstration in Mecklenburg-Vorpommern nach der Landtagswahl am 5. September. Nachdem die sich im Verbotsverfahren befindende NPD an der 5% Hürde scheiterte, ist sie in keinem Landtag der Republik mehr vertreten. Waren die vergangen Demonstrationen in MV Ende vergangenen und Anfang dieses Jahres im Rahmen von MVgida doch klar durch NPD-Strukturen organisiert und geleitet, hat die NPD es dennoch nicht geschafft, aus der aggressiven rechten Grundstimmung politisches Kapital zu schlagen – jedenfalls hat sich das nicht in Wahlergebnissen niedergeschlagen.

So heißt es jetzt für die Neonazis in MV scheinbar back to the roots: Rauf auf die Straße im martialischen und aggressiven Bild der Autonomen Nationalisten. Bereits vergangene Woche suchten Neonazis in entsprechender Manier die Hansestadt Stralsund heim. Ähnlich wie heute in Waren wurde die Demonstration nicht etwa aus Parteikreisen angemeldet, sondern aus autonomen rechten Zusammenhängen. Am heutigen Samstag rief die Gruppe „NS Waren“ zur Demo auf. Die unbedarfte Versammlungsleiterin Janet Andres war sichtlich überfordert: Bereits beim Verlesen der Auflagen am Startpunkt am Bahnhof wusste sie nicht, was sie eigentlich machen sollte: „Sorry, ist mein erstes Mal.“ hatte sie noch als Entschuldigung durch das Mikro des Kleinwagenlautis gestammelt.
Im Anschluss marschierten circa 70, zum Teil vermummte, Teilnehmende vom Bahnhof in die touristisch geprägte Altstadt bis zum zentralen Marktplatz. Auf dem Weg dorthin wurde der Tross immer wieder von Antifaschist_innen kritisch begleitet. An einer Sitzblockade wurde der Marsch vorbeigeleitet. Angekommen am Markt, musste die Demonstration nach einem kurzem Redebeitrag aufgelöst werden. Janet Andres hatte die Teilnehmer_innen ihrer Demonstration nicht unter Kontrolle und konnte nicht mäßigend auf die immer aggressiver werdenden Neonazis einwirken. Außerdem war ihr ursprünglicher Kundgebungsort durch zivilgesellschaftlichen und antifaschistischen Protest belegt – es sammelten sich dort einige Dutzend und brachten lautstark ihren Protest zum Ausdruck. Die sichtlich genervten Neonazis wurden von den Einsatzkräften zurück zum Bahnhof begleitet. Obwohl die Demo bereits aufgelöst war,  riefen die zum Teil aus Wolfsburg, Rostock, Neubrandenburg, Schwerin, Güstrow und Berlin angereisten Teilnehmer_innen ihre Parolen und schwenkten Fahnen. An einer Kreuzung am Rande der Altstadt gab es versuchte Übergriffe auf Protestierende in unmittelbarer Nähe. Die Polizei, die mit wenigen Einsatzkräften ausschließlich aus MV vor Ort war, hatte dort alle Mühe, den äußerst aggressiven Mob zurückzuhalten.
Warener Neonazis sammelten sich nach Ende der Demonstration noch im von der NPD-Kommunalpolitikerin Doris Zutt betriebenen ehemaligen „Patriotentreff“ in der Mozartstraße. Hier kam es erneut zu einem versuchten Übergriff von Neonazis auf Protestierende. So bewaffnete sich der Warener Neonazi Chris-Henry Knaak mit einem Baseballschläger und versuchte, eine Gruppe nichtrechter Jugendlicher anzugreifen. Die Einsatzkräfte der Polizei hinderten ihn unsaft daran. Fotos vom Verlauf der Demonstration finden sich bei Nils Borgwardt.

CHKBasi

Für die Neonazis war der Tag alles andere als erfolgreich. Dieser Samstagnachmittag darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Waren ein eindeutiges Problem hat. Das Problem heißt Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus. Unsere Genoss_innen vor Ort haben tagtäglich mit einem immer gravierender werdenden Bedrohungsszenario zu kämpfen.

Es ist unsere Aufgabe, die Strukturen vor Ort zu unterstützen und immer wieder Neonazis in die Schranken zu weisen.
Es ist unsere Aufgabe, nicht nur große Reden im Internet zu schwingen, sondern unsere Ideen auch direkt zu den Menschen, in die Gesellschaft, auf die Straße zu tragen.
Es ist unsere Aufgabe, dem rabiat nach rechts gerückten gesellschaftlichen Diskurs eine klare Antwort entgegen zu setzen.

Unsere Antwort lautet nach wir vor Solidarität!

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